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Review


Secondhand Child - What do you live for?

Released: 27.10.2006
Label: Quam Libet Records
Genre: Punk-Metal
Homepage: http://www.secondhandchild.ch

Wer kann schon von sich behaupten, ein Freund all der schönen Musik- Schubladen zu sein? Schließlich werden diese oft unterschiedlich kategorisiert, sind stark subjektiv und daher auch häufig wenig aussagekräftig.

Bei Secondhand Child jedoch stimmt die Einordnung! Die musikalische Frage nach dem Sinn des Lebens, welche sie auf ihrem Album "What do you live for?" stellen, kann eindeutig als Punk- Metal bezeichnet werden. "Früher spielten wir ganz klar Punk. Das hat sich durch die neuen Bandmitglieder aber immer weiter Richtung Metal verschoben", sagt die Band auf der Schweizer Nachrichtenseite "20 Minuten". Und obwohl die Mischung beider Musikstile bei einigen vermutlich Stirnrunzeln oder gar den Vorwurf der Lästerung von Metal hervorrufen könnte, hört sich das, was Secondhand Child machen, erstaunlich frisch und unterhaltsam an. Das liegt unter anderem an der hervorragenden Arbeit des Leadgitarristen, der es immer wieder versteht, schöne und stark eingängige Metalriffs mit zum Teil punkigen Elementen zu kreuzen oder auch von dem einen Genre direkt ins andere überzugehen. Die sehr melodischen Passagen, welche zum Teil an alte Iron Maiden- Scheiben erinnern, gehen auf jeden Fall ins Ohr. Ein weiteres Highlight der Band stellt der Gesang dar. Bereits beim ersten Track "Can't stop us" wird dessen Bandbreite deutlich: Während sich der Sänger zu Beginn des Songs aufgrund der leicht rauchigen und rauen Gesangsart auch prima für Streetcore eignen würde, springt er später in eine eher metal- lastige Stimme, die sich ernsthaft ein wenig nach Metallica- Frontmann James Hetfield anhört, um, und beendet den Song mit schon fast Death Metal- tauglichem Geschrei. Zu dem Hauptgesang gesellen sich bei einigen Tracks Backgroundvocals, welche dazu führen, dass sich einige Songs wiederum etwas punkiger anhören und zu netten sing- alongs neigen. Im Fall von "Again" geht das soweit, dass sich der Chorus schon beinahe nach Bad Religion anhört, welche wohl auch allgemein als eine der Bands gelten dürfte, die als Ideengeber hinhielt, oder zumindest nachhaltigen Einfluss ausübte. Die Texte selbst fühlen sich somit auch eher dem Punk verpflichtet und beinhalten Themen wie die Absurdität des Lebens, die Abgrenzung vom Durchschnitt, das bittere Ende einer Beziehung oder auch Suizid. Im Track "Guilty" verdeutlicht der Sänger sogar scheinbar den Hass auf seine Mutter, wobei der Inhalt dem guten Eminem alle Ehre machen würde. Eher punkig gestaltet sich auch das Drumming, welches straight und druckvoll die Melodien der Gitarre unterstützt, mir persönlich jedoch ein klein bisschen zu uninnovativ ist. Auf der anderen Seite trägt allerdings gerade dies zum groovig angehauchten Songkonzept der Tracks bei und würde diesen Ansatz bei anderer Spielweise vermutlich zunichte machen. Insgesamt kommen Secondhand Child somit sehr unaffektiert und druckvoll, ohne die dem Punk so häufig vorgeworfene Kitschigkeit, rüber.

Einen wichtigen Faktor für den guten und stimmigen Gesamtklang des Debüt- Albums stellen wohl auch die Produzenten Frank Winkelmann und V. O. Pulver (bekannt aus der Schweizer Thrash Metal- Band Gurd) dar. Dessen "Little Creek"- Studio im schweizerischen Gelterkinden, in welchem schon Bands wie Fear My Thoughts gastierten, hielt auch für die Aufnahme vom insgesamt knapp 44 Minuten langem und 13 Tracks (inkl. der Bonus- Tracks vom 2004er Demo "Security Warning") umfassenden "What do you live for" her.Abgesehen einmal von dem ganz leicht monotonen Schlagzeug, der Tatsache, dass vielleicht noch ein paar mehrstimmige Chorus - Passagen mehr hätten eingebaut werden können und den zum Teil etwas einfältigen Texten, haben die fünf Schweizer ein stark eingängiges Album mit einem netten Mix aus Punk und Metal produziert, der sich wirklich auch nach beidem anhört. Wobei auch beachtet werden muss, dass obige Kritikpunkte keinesfalls ausufern und auch nur selten auffallen. Man wolle ein Album, um möglichst viele Gigs ergattern zu können, kommentierte Drummer Philipp auf oben erwähnter Nachrichtenseite das Debüt und das sollte wohl auch geschafft sein. Mit meinem persönlichen Highlight "Freak in Cage" ist sogar ein beinahe chartfähiger Ohrwurm auf die Platte gekommen, den man so schnell nicht mehr loswird. Und das alles als Debüt - Respekt!

Score: 4,5 von 5



el capitan