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Bewertungen

10: Ein Meilenstein der Musikgeschichte!
9: Ein deutlich überdurchschnittliches Album
8: Ein sehr gutes Album mit vielen starken Titeln
7: Ein gutes Album mit einigen Ohrwürmen
6: Ein solides Genre-Album mit hellen Momenten
5: Mittelmäßiges Album
4: Schwaches Album, nur für hartnäckige Fans
3: Hierfür Geld zu verlangen wäre dreist
2: Es bleibt beim Versuch
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Review


Heaven & Die Angefahrenen Schulkinder - Heaven sings x-mas volume 2 - Süßer die Glocken nie klingen

Released: 11.11.2011
Label: Pogo Pop Musik
Genre: White Metal
Homepage: http://www.dieangefahrenenschulkinder.de

Süßer die Glocken nie klangen.

Weihnachtszeit: Seelenlose Konsummonster eilen von Warenlager zu Warenlager, um das unbedingte Muss eines kostenträchtigen Präsents für ihre quengelnde, ungeliebte Verwandtenschar zu erfüllen, die derweil ebenso umhereilen oder daheim ihre dekadenten Rüssel dem Duft von frisch geernteten Tannenleichen und prallgefüllten, mit Lebkuchen, Zitrusfrüchten, Äpfeln, Nüssen, Marzipan, selbstgebackenen Plätzchen und likörhaltigen Schokoladengebilden liebevoll angerichteten Gabentellerchen entgegenstrecken. Das noch analog empfangbare TV-Programm strahlt Lichterfeste des volkstümlichen Schlagers in die Stuben. Da wird die Krachlederne gegen a Zipfelmützn eingetauscht und angestrengte Gutlaune gegen notwendige Besinnlichkeit, ähnlich dem Ernst, mit dem RTL durch seinen Spendenmarathon jährlich ganz Afrika ernährt. Vor allem aber dort ansässige Kinder mit Prominenten zusammen bringt, die ihnen eine Wochenration Pap mit Resten weiblicher Beschneidung wegfuttern. Um die Weihnachtslichter, fröhliche Gesichter. Schade, dass Freddy Quinn das Rampenlicht Vergangenheit sein lässt. Die Schadenfreude gegenüber heimatfernen Seefahrern war steter, vertrauter Begleiter im Warten aufs Christkind.

Nach dem etlichsten Chateaux de Glüh, während Mutti einige Tage vor dem Vierundzwanzigsten die Mayonnaise für den lauwarmen Erdapfelsalat zum Falschen Hasen an Schwarzwurzelpüree anmacht, stapft man gemütlich durch die weiße Pracht. Das Schneeknirschen unter den Moonboots weicht beim Schreiten einem abrupten, schlotzigen Matschen. Igitt, wer hat denn da ins Winterwunderland gekackt? Heeeaaaaaavveeeeeeeen!

Das zweite Weihnachtsalbum des zärtlichen Osnabrücker Barden, Haupthaarkoryphäe der Die Angefahrenen Schulkinder, innerhalb von 25 Jahren. Der veröffentlichungsfreie Zeitraum war auch unbedingt vonnöten um „Heaven sings x-mas“ (volume 1) zu verdauen. Die existenzialistische Fulminanz dieses exquisiten, musikalischen Brechdurchfalls mit Zimtaroma, pustet aus lamettageschmückter Panzerfaust direkt ins Antlitz. Zäh schleimige Kakophonien für untote Waldschrate, orthodox-katholische Elegien eines autistischen Trunkenbolds, eines manisch regressiven Seelenschlächters. Ein fundamentalistischer Rutenmarsch durch zerfetztes Menschenfleisch in öffentlichen Sanitäranlagen, Liebessuche im Folterkeller, zwischen christlicher Kneipenpöbelei und dissonanter Lobpreisung, bis hin zur Entdeckung des Funeral Doom. Eine schönere Sammlung an Kammerkantaten als Geleit ins Christfest gibt es nicht, für Menschen die gern einsam sind. Erhoffte, ganz große Charterfolge blieben unverständlicherweise aus. Der missverstandene Künstler bereiste den Erdball um Abstand zu gewinnen, und sah sich gleichzeitig mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert. Kontinuierlich traf er auf ähnlich gesinntes Pack. Göttliche Fügungen begleiteten die Entstehung des zweiten Liederzyklus, mit dem die Krätzoblate lange Zeit schwanger ging.

Es begann in Mexiko, wo die grölende Marzipankartoffel in schmutzigen Gassen nach Ruhe suchte. Er fand jedoch nur dicke Bohnen und morbide Flatulenzen. Nach nicht einmal zwei Wochen Aufenthalt, wurde Heaven Opfer willkürlicher Gesetzeshüter. Ein halbes Jahr eingebuchtet, man fand in seiner Bauchtasche sechs Maronen und ein 200g Glas Instant-Glühwein. Da in Mexiko einheimische, männliche Straftäter grundsätzlich erschossen werden oder gegen Obolus umgehend freigelassen und höchstens von Dealern ausgenutzte Urlauberinnen hochgenommen werden, existieren im mittelamerikanischen Killer-Country ausschließlich Frauenstrafanstalten.

Hilflos sah sich der südniedersächsische Naschkater den Gelüsten skrupelloser Wärterinnen ausgesetzt, welche die genitalen Folgen mehrtägigen Gossenaufenthalts nicht bedachten. Also entwickelte unser Held nebenbei aus seinem Harn, getrocknetem Chili und frisch gepressten Silberfischen ein Mittel gegen Scheidenpilz. Als Dank schenkten ihm die Bediensteten ein Lied, ein Weihnachtslied. „Feliz Navidad“, die simple und doch so effektvolle Glanztat des Puerto Ricaners José Feliciano, entfachte erneut das flackernde Feuer im bis dahin nur noch knisternd glühenden Pöterkrater. Nach seiner Haftentlassung trampte der lonesome renegade, ohne dass ihn jemand mitnahm, in die US of A.

Er fand eine ertraglose Anstellung als Chief-Nussknacker in einer karibischen Nacktbar in San Diego. „Kommet ihr Hirten“ ist ein Produkt des Aufenthalts. Ein weiteres entstand dank eines prominenten Club-Gasts. Heaven überreichte Walnuß-Freak und The Who Mastermind Pete Townshend sofort eine der im Maurerdekolleté verstauten Kopien seines X-Mas-Infernos. Im Gegenzug offenbarte Pete, „My Generation“ sei eine Hymne an den Tag vor dem heiligen Abend, nur die passende Lyrik fehlte. Wie ein Blitz schoss dem Hasestädter Gottespanzer die Lösung in den mürbeteigigen Bregen: „Morgen kommt der Weihnachtsmann“. Um Roger Daltrey like zu intonieren, belegte er flugs einen Stotterkurs an der örtlichen Volkshochschule.

Um die Kosten fürs Heimflugticket zu stemmen, vermittelte Pete dem räudigen Lichtbringer einen neuen Job als Groupieverarbeiter bei NKOTB. Frohgemut in die Heimat zurückgekehrt, war sein Elternhaus für ihn unauffindbar. Sein Orientierungssinn ward samt Gepäck verschollen. Bis zur populären Verbreitung hoch entwickelter Navigationssysteme, betrieb er eine Spekulatiusmanufaktur in Ouagadougou, mit Blicknähe zum Flughafen.

Während die Schulkinder-Kollegen mit einem schlechten Heaven-Double Milliarden verdienten, saß das Original schwermütig inmitten von Afro-Burkinern an der Keksformmaschine. Ein empathischer Eric Clapton wusste um die Trauer des Krippenfürsten („Tears In Heaven“). Eine drittklassige Crossover-Gruppe behauptete einige Jahre später frech: „Heaven Is A Halfpipe“, dabei wollte er, der letzte Gigant, einen Stairway zu sich errichtet wissen. Kein Wunder, dass er erneut straffällig wurde, aber das soll uns hier nicht weiter kümmern und kann ausführlich in seinem Buch „Die weiße Massai“ nachgeschlagen werden.

Jedenfalls größtenteils resozialisiert (wenn er denn jemals sozialisiert war) fand er den Weg, aus weiter oben angedeutetem Grund, zurück. Landete, Spaßvogel der er ist, in Erfurt und riss im typischen Vollsuff, sich zum rückwärts zählen abstützend, das zweite K in der Leuchtreklame des ortsansässigen Subteenfernsehsenders ab. Nachdem das mit den Jahren zu gewucherte, wohlgelittene Sleighbellthier eine so genannte national befreite Zone mit reiner Anwesenheit entvölkert hatte, fuhr er mit dem Schlitten den beschwerlichen Weg über die Autobahn gen Herkunft.

Schnell lebte er sich wieder ein. Die Schulkinder waren ganz sicher, sie wären mit dem echten Heaven aufgetreten… im diesjährigen Sommer entschloss man sich nach einer Tüte Friedenstrets zur zeitnahen Realisierung einer Weihnachtsplatte unter Einfluss der heavenly odyssee.

Im direkten Vergleich zum Erstling ist „Heaven sings x-mas volume 2 – Süßer die Glocken nie klingen“ ein happy Album. Ein happy Album mit psychischen Störungen. Lediglich „Es ist ein Ros’ entsprungen“ erinnert stark an Teil eins. Der Gram des Himmlischen lässt sich indes nach und nach durch einen Engelschoral beschwichtigen.

Live, mit enorm hörbarer Spielfreude, aufgenommen in der Mühle der Freundschaft. Unverzichtbarer Soundtrack zu Mamas Backpfeifen an Heiligabend, wenn die Bockwurst sich den Weg im Darm durch den Kartoffelsalat bahnt, und der Großvater, überdosiert schwankend, zum gemütlichen Teil das Penthouse in ein wärmendes Flammenmeer verwandelt.

Neben der tollen Musik, z.B. dem jazzigen Schlummerklavier, welches eine Ringo Starr Uffta-Version von „Guten Abend, gute Nacht“ einleitet, dem locker flockigen Latrinenausflug „Winterwunderland“ oder meinem persönlichen Favoriten „Josef, lieber Josef mein“, mit dem ein echter Kunstgriff gelungen ist (Heaven im Duett mit der fantastischen Viviane Helms, auch bekannt unter dem Mädchennamen ihrer Mutter, Viviane Kudo, hier unter dem Pseudonym - hoffentlich nicht aufgrund von Körperbehaarungsproblematik – „The Grizzly“), gibt es auch wieder ein, von Heaven rezitiertes, Granada-Festtagsgedicht.

Bei einem Weihnachtsalbum treten die üblichen Bewertungskriterien selbstverständlich außer Kraft. Es kann statt Punkten nur Kerzen geben. Vier derer, der volle Adventskranz. Lobet den Heaven, den mächtigen Schöpfer der Ehren.

Tracklist:

  • 01. Alle Jahre wieder
  • 02. Morgen kommt der Weihnachtsmann
  • 03. Oh Tannebaum
  • 04. Kommet, ihr Hirten
  • 05. Guten Abend, gute Nacht
  • 06. Josef, lieber Josef mein
  • 07. Feliz Navidad
  • 08. Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen
  • 09. Ein Weihnachtsgedicht
  • 10. Es ist ein Ros' entsprungen
  • 11. Süßer die Glocken nie klingen
  • 12. Winterwunderland
  • 13. Little Drummer Boy

Score: 8 von 10 Punkten

Ernesto