Review
Neal Morse - Sola Scriptura
Released: 23.02.2007
Label: InsideOut Music / SPV
Genre: Progressive Rock
Homepage:
http://www.nealmorse.com
Ein wahres Epos, was uns Altmeister Neal Morse (Ex-Spock´s Beard, Transatlantic) hier liefert. In „Sola Scriptura“ erzählt er die Geschichte von Martin Luther in 76 Min und nur 4 Songs! Ein Konzeptalbum, wie es nur ein Genie wie Morse kreieren kann.
Für dieses Gesamtwerk hat der Meister wieder prominente Mitmusiker an Bord geholt. Neben Mike Portney (Dream Theater) an den Drums und Randy George am Bass, welche beide auch schon auf anderen Morse-Werken zu hören waren, komplettierte er das Line-Up durch Paul Gilbert (Mr. Big) an der Gitarre. Aber nun zum Musikalischen:„The door“ beginnt stürmisch mit einem Duett aus Gitarre und Synthesizer, nimmt dann aber etwas an Tempo ab. Hierbei kommt im Hintergrund ein chorähnlicher Sound zum tragen. Dann wird wieder Gas gegeben. Es werden gewohnt vertrackte Rhythmen und akzentuiertes Riffing geboten. Nach 5 Minuten erfolgt der Einsatz des Gesangs, mit Stereoeffekten. Kurze Anklänge an Queens Bohamian Rhapsody scheinen durch. Neben der Inquisition in diesem Teilstück, wird in „Mercy for sale“ auf einen weiteren Missstand der katholischen Kirche vor der Reformation eingegangen: Die altbekannten Ablasszettel. Viel Synthesizer und Keyboardklänge, unterstützt durch mal rockige mal bluesige Gitarrenklänge leiten einen weiteren Teil dieses ersten Megatracks ein. Inhaltlich beschäftigt sich dieser Part mit den Zweifeln Luthers, ob er die Kirche ob dieser Missstände anprangern sollte. Straighte Rhythmen paaren sich hier mit Kirchenorgeleinsatz. Schlussendlich fällt im letzten Teilstück „The door“, welches denselben Titel wie der gesamte erste Track trägt, die Entscheidung, für welche Luther berühmt wurde, nämlich die 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg zu nageln.Agrressiv, so wie der Titel es erwarten lässt, beginnt der zweite Track dieser CD. Fette Gitarrenriffs leiten „Do you know my name“, das erste Teilstück von „The Conflict“ ein. Hier wird gleich die starke Dominanz des Papstes zur damaligen Zeit dargestellt. Dieser Song geht musikalisch direkt in „Party to the lie“ über, hier geht es etwas gemäßigter zu. Orgelsounds im Hintergrund und ein schönes Keyboardsolo. In dem nun folgenden „Underground wird rhythmisch und musikalisch wunderbar die schnelle Flucht und das ständige „auf der Hut sein“ dargestellt. Schräge Keyboardeinlagen und vertrackte Drumparts mit abwechselnd schnellen Einschüben geben die Stimmung in diesem Instrumentalteil perfekt wieder. Plötzlich setzt der Gesang wieder ein und die Musik wird schlagartig balladesk. Auch die Resignation und der Wille, aus dem Blickfeld der Kirche vorerst zu verschwinden kommen gut rüber. Mit akustischen Gitarren beginnt der nächste Absatz in diesem 26 minütigen Stück. Unverhofft erfolgt hier ein Stilbruch, der es in sich hat. „Two down, one to go“ überzeugt mit Lateinamerikanischer Salsa Instrumentierung auf der Basis eines Samba-Rhythmus. Nach nicht ganz vier Minuten kehrt Morse zur ursprünglichen Instrumentierung zurück, nur um dem geneigten Hörer in bester Santana-Manier eine gefühlvolle Halbballade mit dem letzten Kapitel „Already home“ des zweiten Stücks zu bieten.Mit „Heaven in my heart“, dem bei weitem kürzesten Track des gesamten Albums kreieren die Musiker ein Pianostück, was in seiner balladesken Herangehensweise die Stimmung Luthers in seiner Zelle in Worms verdeutlicht.Schnelle und am Anfang leicht erschreckende Klänge bietet „Randy´s Jam“. Hier zeigen die Musiker noch mal die volle Bandbreite ihres Könnens. „Re-Introduction“ geht thematisch noch mal auf den Anfang dieser CD ein. Stereoeffekte und ein Hintergrundchor zum mehrstimmigen Gesang schaffen eine Atmosphäre wie in einer Kathedrale. Synthetische Hörner in Dur gehalten erwecken ein Gefühl von Erlösung zu Beginn des Kapitels „Clothed with the sun“. In dieser Stimmung endet auch dieses Kunstwerk und wird langsam ausgeblendet.Alles in allem ein geniales Stück Musik. Da gibt es nichts mehr hinzu zu fügen. Volle Punktzahl, meine Gratulation.
Score: 5,0 von 5TOPSCORE!

ProgRocker